Wahl-O-Mat und Alternativen Online-Wahlhilfen für die Bundestagswahl: Wen soll ich wählen?

Zuletzt aktualisiert: 13.09.2021

Die Bundestagswahl 2021 steht kurz bevor, doch viele Wähler­innen und Wähler stellen sich noch immer einige Fragen: Wofür stehen die Parteien? Wer vertritt meine Interessen? Wen oder welche Liste will ich eigentlich wählen?

Antworten auf diese Fragen liefern verschiedene Platt­formen mit umfang­reichen Informa­tionen, die hier in einer Übersicht vorgestellt werden. Einige kann man auch als Apps herunterladen.

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Was sind Online-Wahlhilfen überhaupt?

Unter Online-Wahlhilfen versteht man heute Web­anwendungen, die Teil­nehmer­innen und Teil­nehmern bei politischen Wahlen helfen sollen, gut informiert eine Entscheidung zu treffen. Sie unterstützen auf inter­aktive Weise dabei, zu verstehen, wofür Parteien stehen, und motivieren oft auch Bürger zu wählen, die sich sonst nicht viel für Politik interessieren. Vor einer Wahl ist die Fülle an Informa­tionen für viele schwer zu durch­dringen und zu vergleichen.

Seit Mitte der 2000er-Jahre gehören Online-Wahlhilfen daher immer häufiger zu wichtigen Informa­tions­quellen für Wähler­innen und Wähler. Im Internet werden die Begriffe Online-Wahlhilfe, Wahl-Entscheidungs­hilfe oder auch VAA für englisch „voting advice application“ gleich­bedeutend benutzt. In der Forschung wird diskutiert, welchen Effekt solche Wahl­hilfen auf den Wahl­ausgang haben. Einig ist man sich aber darin, dass Demo­kratien von den Angeboten profitieren, etwa durch gesteigerte Wahlbeteiligung.

Der Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2021

Wahl-O-Mat Bundestagswahl 2021

Eine der bekanntesten digitalen Entscheidungs­hilfen ist der seit 2002 existierende Wahl-O-Mat der Bundes­zentrale für Bildung. Vor der Bundestagswahl 2017 wurde der Wahl-O-Mat rund 15,7 Million Mal genutzt. Bis zu 30 Prozent aller Wähler­innen und Wähler könnten demzufolge den Wahl-O-Mat genutzt haben, ehe die Kreuze auf den Stimm­zettel gesetzt wurden.

Um die Partei zu finden, die der eigenen Position am nächsten kommt, müssen sich Nutzer­innen und Nutzer bei insgesamt 38 Thesen für „stimme zu“, „stimme nicht zu“ oder „neutral“ entscheiden. Nachdem alle Thesen vorgestellt wurden, können User­innen und User entscheiden, welche davon für sie persönlich besonders wichtig sind – diese werden dann doppelt gewertet.

Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2021 - Beispiel einer Frage

Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl: einige Fragen sind recht spezifisch und ohne Vorwissen schwer zu beantworten

Bevor die Auswertung vorgenommen wird, wählt man acht der zur Bundestagswahl stehenden Parteien, die für den Abgleich heran­gezogen werden sollen. Informa­tionen über die Parteien werden als Links zur Website der Bundes­zentrale für politische Bildung zur Verfügung gestellt.

Das Ergebnis, das man schluss­endlich erhält, erscheint in Form einer Prozent­zahl: Zu wie viel Prozent stimmen die eigenen Angaben mit den Positionen der (ausgewählten) Parteien überein? Je höher die Prozent­zahl, desto größer ist die Über­einstimmung. Für die besonders Interessierten gibt es zudem die Möglichkeit, die Antworten aller Parteien auf die gestellten Fragen nachzulesen.

Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl - Ergebnis (Beispiel bei zufällig ausgewählten Antworten)

Beispiel für die Ergebnisseite des Wahl-O-Mats (bei zufällig ausgewählten Antworten)

Der Wahl-O-Mat zur diesjährigen Bundestagswahl ist seit dem 2. September 2021 online; es gibt ihn auch als Smart­phone-App. Wer neugierig ist und erfahren will, wie der Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2017 aussah, kann das Internet­tool im Wahl-O-Mat-Archiv finden und herunterladen.

Links zum Wahl-O-Mat:

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Bundestagswahl 2021: Alternativen zum Wahl-O-Mat

Neben dem Wahl-O-Mat gibt es für die Bundestagswahl 2021 weitere Wahlentscheidungs­hilfen, von denen einige nachfolgend kurz vorgestellt werden.

Wahl-Kompass

Wahl-Kompass (PolitKompass) Bundestagswahl 2021 (Online-Wahlhilfe und Alternative zum Wahl-o-Mat

Der Wahl-Kompass präsentiert Nutzerinnen und Nutzern 30 Thesen, auf welche diese mit „Stimme vollkommen zu“, „Stimme zu“, „Neutral“, „Stimme nicht zu“, „Stimme überhaupt nicht zu“ und „Keine Meinung“ antworten können. Nach der Beantwortung gleicht die Online-Wahlhilfe, die in der politik­wissen­schaftlichen Forschung als Voting Advice Application bezeichnet wird, die eigenen Standpunkte mit denen der Parteien ab. Alle Parteien, die bei der Europawahl 2019 einen Sitz erhalten haben, sind im Wahl-Kompass enthalten. Die Überein­stimmung mit den Parteien wird sowohl als Punkt in der politischen Landschaft als auch als Ranking dargestellt.

Entwickelt wurde der Wahl-Kompass von einem wissen­schaftlichen Team der Universität Münster im Rahmen des Projekts PRECEDE, in Zusammen­arbeit mit dem nieder­ländischen Unternehmen Kieskompas. Damit die ausgewählten Thesen auch wirklich die wichtigsten Themen zur Bundestagswahl abbilden, haben Forscher­innen und Forscher zunächst eine Medien- und Wahlprogramm­analyse durchgeführt. Dann wurde eine Vorauswahl an die Parteien verschickt – nach deren Rück­meldung wurden die finalen Thesen ausgewählt.

Am Wahl-Kompass können Sie hier teilnehmen:

Probleme bei der Darstellung? Dann können Sie den Wahl-Kompass hier aufsuchen: wahl-kompass.de

Worin unterscheiden sich Wahl-Kompass und Polit-Kompass?

Während der Wahl-Kompass auf die Bundestagswahl 2021 ausgerichtet ist, soll der ebenfalls in Münster entwickelte Polit-Kompass einen allgemeineren Überblick über die Positionen der deutschen Parteien verschaffen.

Der wichtigste Unterschied liegt aber darin, dass die Positionen im Polit-Kompass auf einer Befragung von Politik­wissenschaftler­innen und Politik­wissenschaftlern basieren – die Selbst­positionierung der Parteien fließt bei diesem Tool im Gegensatz zum Wahl-Kompass nicht mit ein.

Der Wahl-Kompass wie auch der Polit-Kompass sind online und können bereits genutzt werden.

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WahlSwiper zur Bundestagswahl 2021

WahlSwiper zur Bundestagswahl (Alternative zum Wahl-O-Mat)

Der WahlSwiper richtet sich hauptsächlich an jüngere Wähler und Wähler­innen und erinnert in der Funktions­weise an die Dating-App Tinder: Die politischen Fragen erscheinen in der Mitte des Bildschirms und können mit einem Wisch nach links mit „Nein“ und mit einem Wisch nach rechts mit „Ja“ beant­wortet werden. Welche Fragen doppelt gewertet werden sollen, kann mit einem Klick auf die Frage festgelegt werden. Wenn alle Fragen beantwortet wurden, errechnet das Tool die Überein­stimmung mit den Antworten der Parteien.

Der WahlSwiper arbeitet nach Angaben des Vereins VoteSwiper, der die Finanzierung der Wahlhilfe-Anwendung über Spenden­einnahmen und Förder­mitgliedschaften sichert, gänzlich unabhängig. Ziel des Vereins ist es, Demokratie und politische Bildung zu fördern. Damit das Tool möglichst viele Menschen erreicht, ist es für die Bundestagswahl 2021 auch in den Sprachen Englisch, Türkisch, Russisch, Arabisch und Persisch verfügbar.

Links zum WahlSwiper:

„DeinWal“ zur Bundestagswahl 2021

DeinWahl (BundestagsWal 2021) - Entscheidungshilfe für die Bundestagswahl

Das Onlinetool DeinWal.de ist ebenfalls eine beliebte Wahl­entscheidungs­hilfe. Im Gegensatz zum Wahl-O-Mat hat das Tool nicht die Positionen von Parteien abgefragt, sondern ihr tatsächliches Abstimmungs­verhalten analysiert.

Die Auswahl aus Abstimmungen, die real stattgefunden haben, ist transparent gestaltet und nach verschiedenen Themen­gebieten ausgerichtet. Das Tool kann aber natürlich nur die Abstimmungen der Parteien auswerten, die aktuell im Bundestag sitzen.

Zur „DeinWal.de“-Website:

Der Klimawahlcheck: Klimaschutzpolitik in den Bundestagswahlprogrammen der Parteien

Bundestagswahl 2021 - Klimawahlcheck (Wahl-O-Mat-Alternative)

Der aktuelle Wahlkampf wird hauptsächlich von einem Thema beherrscht: dem richtigen Umgang mit dem Klima­wandel. Damit Wähler­innen und Wähler sich vor der Wahl einen Überblick darüber verschaffen können, welche Partei welche Positionen bezüglich der Themen Klima- und Umwelt­schutz vertritt, haben Klima-Allianz Deutschland, German Zero und der Naturschutz­bund einen sogenannten Klima­wahlcheck erstellt.

Für den Klima­wahlcheck wurden die Wahl­programme von Union, Grünen, SPD, Linken und FDP ausgewertet. Die AfD taucht nach Angaben der Betreiber nicht auf, da sie den Klima­wandel leugne und den Austritt aus dem Pariser Klima­abkommen fordere.1

Nutzer­innen und Nutzer werden insgesamt 28 Fragen aus sechs Themen­gebieten gestellt – ihre Antworten werden anschließend mit den Positionen der einzelnen Parteien abgeglichen. Das Tool ist bereits online und kann ab sofort genutzt werden.

Zum Klimawahlcheck geht’s hier:

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Sozial-O-Mat

Bundestagswahl 2021 - Sozial-O-Mat (Wahl-Entscheidungs-Hilfe)

Der Sozial-O-Mat der Diakonie Deutschland wurde im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 erstmals gestartet. Diese Online-Wahlhilfe ist vor allem für diejenigen interessant, denen soziale Fragen der Gesell­schaft besonders wichtig sind. Er bietet zwölf Thesen zu den vier Themen Familie, Flucht, Pflege im Alter und Armut.

Die Diakonie ist ein Wohlfahrtsverband der Kirchen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und hat sich mit der Fragenauswahl daher auch auf ihre Kernthemen konzentriert. Anders als z. B. der Wahl-O-Mat vergleicht der Sozial-O-Mat nur die Antworten der aktuell im Bundestag vertretenen Parteien.

Zum Sozial-O-Mat der Diakonie Deutschland:

Wahldatenhelfer: Wahlentscheidungshilfe für junge Menschen

Bundestagswahl 2021 - Wahl-o-Mat Alternative Wahldatenhelfer

Die Plattform Wahldatenhelfer richtet sich hauptsächlich an junge Menschen, die nach leicht verständlichen Informa­tionen zum Thema Bundestags­wahl suchen und noch Hilfe bei der Wahl­entscheidung benötigen. Lehrerin­nen und Lehrer finden auf einer Unterseite verschiedene Web­angebote für den Unterricht.

Anders als die meisten Entscheidungs­helfer stellt der Wahldaten­helfer Nutzerinnen und Nutzern keine Fragen, sondern liefert ihnen zu verschiedenen Themen die Positionen von CDU, SPD, Grünen, FDP, Linken und AfD. Das Online­tool ist bereits online und kann ab sofort genutzt werden.

Zur Website des Wahldatenhelfers:

Kritik an den Entscheidungshilfen

Entscheidungshilfen wie der Wahl-O-Mat können den Wählerinnen und Wählern die Entscheidung nicht abnehmen. Sie können aber deutlich machen, welche Parteien einem näher­stehen und mit welchen Wahl­programmen es sich ents­prechend lohnt, sich genauer auseinanderzusetzen.

Dabei sollte nicht vergessen werden, dass einige Aspekte wie im Folgenden beschrieben auch kritisch zu betrachten sind.

Zu viele Konsensthesen“ lassen Parteien im Ergebnis zusammenrücken

Einen wichtigen Kritikpunkt beim Wahl-O-Mat stellen die „Konsen­sthesen“ dar: Nach Auswertung der Wirtschafts­Woche wird lediglich die Hälfte aller abgefragten Themen kontrovers diskutiert.2 Bei der anderen Hälfte, den „Konsen­sthesen“, stehen die meisten Parteien relativ nah beieinander. Dadurch fallen extreme Positionen (wie etwa „Ausländer raus“, „Reichtum verbieten“) zwar deutlicher auf, so wird aber auch die Positio­nierung der Parteien verzerrt: Es scheint, als stünden sie viel näher beieinander, als dies tatsächlich der Fall ist.

Auswahl der Fragen und Themen

Ein weiteres Problem stellt die Auswahl der Fragen dar. Denn beim Wahl-O-Mat werden diejenigen in die Auswahl aufgenommen, die vor allem den Parteien wichtig sind. Das einfache „Ja-nein-Schema“ und die Befragung zu genau diesen Themen­bereichen mag den Parteien günstig und logisch erscheinen, den Wähler­innen und Wählern kann dies aber „weltfremd“ vorkommen.

Fragen und Antworten zur Bundestagswahl

Was passiert mit meiner Stimme?

Bei der Bundestagswahl 2021 wird der Deutsche Bundestag nach dem Verhältnis­wahlrecht gewählt. Alle Wählerin­nen und Wähler haben jeweils zwei Stimmen. Mit der Erst­stimme wird der oder die Wahlkreis­abgeordnete per Direktwahl gewählt, mit der Zweit­stimme die Landesliste der Partei.

Bundestagswahl-Stimmzettel (Hier Platzhalter Europawahl)

Die reguläre Mindest­anzahl der Sitze liegt bei 598, wovon eine Hälfte direkt gewählte Abge­ordnete aus den Wahlkreisen besetzen, die andere Hälfte geht an Abgeordnete, die über die Landes­liste in den Bundestag einziehen. Wie sich die Sitze auf die Parteien verteilen werden, entscheidet die kommende Wahl im September.

Insgesamt wurden 54 Parteien zur Bundestagswahl am 26. September 2021 zugelassen. Sieben nehmen aber dennoch nicht teil. Damit nehmen an der kommenden Bundestagswahl 47 Parteien teil.

Ist es sinnvoll, für Klein­parteien zu stimmen?

Bei der Bundestagswahl (BTW) gibt es eine Sperr­klausel: Parteien müssen über die Fünf-Prozent-Marke kommen, um in das Parlament einzuziehen. Das sorgt dafür, dass Klein­parteien quasi keine Chance haben, in den Bundes­tag einzuziehen. Trotzdem lohnt es sich, seine Stimme einer kleinen Partei zu geben: Stimmen mehr als 0,5 Prozent der Wähler für eine Partei, erhält diese Zuschüsse aus der staatlichen Parteien­finanzierung.3 Damit kann sie eigene Projekte weiter voranbringen.

Kann ich einfach wählen, was mir der Wahl-O-Mat oder andere Entscheidungs­hilfen anzeigen?

Die Entscheidungshilfen sind eine gute und einfache Möglichkeit, um eine bessere Orientierung zu gewinnen und Infor­mationen zur Wahl zu erhalten. Die Entscheidung, wem man letztlich die Stimme gibt, können sie einem aber nicht abnehmen.

Gibt es auch eine Briefwahl?

Ja, wer am 26. September 2021 nicht wählen gehen kann oder möchte, kann auch per Brief­wahl seine Stimme abgeben. Genauere Infor­mationen sind auf der Website des Bundeswahlleiters zu finden.

Nächste Landtagswahl:

Lesen Sie auch:

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Bundestagswahl (zur Startseite)
  1. Klimawahlcheck, Häufig gestellte Fragen, abgerufen am 13.09.2021
  2. WirtschaftsWoche, Europawahl: Der Wahl-O-Mat hat unangenehme Nebenwirkungen, 30.04.2014
  3. Deutscher Bundestag, Parteien­finanzierung – Anspruchs­voraussetzungen, abgerufen am 13.09.2021