Koalitionen nach der nächsten Bundestagswahl

Zuletzt aktualisiert: 04.07.2019

Seit 1961 konnte keine Partei die absolute Mehrheit im Deutschen Bundestag erreichen. Seitdem alternieren folgende vier Koalitionen im Bundestag (nach Häufigkeit aufgelistet):

  • Schwarz-gelbe KoalitionSchwarz-gelbe Koalition (CDU/CSU + FDP)
  • Schwarz-gelbe KoalitionGroße Koalition (CDU/CSU + SPD)
  • Schwarz-gelbe KoalitionSozialliberale Koalition (SPD + FDP)
  • Schwarz-gelbe KoalitionRot-grüne Koalition (SPD + Bündnis 90/Die Grünen)

Laut aktuellen Umfragen zur nächsten Bundestags­wahl kann jedoch keine der bisher auf Bundes­ebene erprobten Koalitionen eine Mehrheit erreichen.

Aufgrund dessen werden hier mögliche Koalitionen nach der Bundestags­wahl 2021 sowie deren Wahrschein­lichkeit aufgeführt.

Koalitionen nach der Bundestagswahl 2021

Bei den möglichen Koalitionen nach der Bundestags­wahl 2021 wird mit einer Besetzung des Bundestags mit 598 Sitzen gerechnet. Bei einer fiktiven Sitz­verteilung ohne Ausgleichs- und Überhang­mandate ergibt sich ab 300 Sitzen eine Mehrheit im Bundestag.

Mögliche Koalition nach der nächsten Bundestagswahl

Es gibt nur drei Koalitions­möglichkeiten, die laut derzeitigen Umfragen möglich wären:

  • Schwarz-rot-grüne Koalition aus Union, SPD und Grünen (auch Kenia-Koalition genannt)
  • Jamaika-Koalition zwischen Union, FDP und Grünen
  • Schwarz-grüne Koalition zwischen Union und Grünen

In den folgenden Diagrammen ist jeweils die Anzahl der Sitze möglicher Koalitions­parteien im Bundestag angegeben. Der Pfeil markiert den Punkt, ab dem eine Koalition mehrheits­fähig ist.

Legende: Grüne Zahlen bedeuten eine Mehrheit der Wähler­stimmen beziehungs­weise der Sitze im Bundestag. Rote Zahlen hingegen signalisieren, dass diese Koalition keine Mehrheit hat.

Schwarz-rot-grüne Koalition (Union + SPD + Grüne)

Union
169
SPD
82
Grüne
161
Restl.
186
  • Wählerstimmen laut Umfragen: 64,0 %
  • Sitze im Bundestag laut Umfragen: 412 von 598
  • Letzte schwarz-rot-grüne-Koalition im Bundestag: noch nie vorgekommen

Aktuell hätte auch ein schwarz-grünes Bündnis ohne SPD eine knappe Mehrheit. Schon allein deswegen gilt eine schwarz-rot-grüne Koalition als unwahr­scheinlich.

Darüber hinaus dürfte es aus denselben Gründen wie auch bei der Großen Koalition schwerfallen, die SPD in der nächsten Wahl­periode für eine weitere Koalitions­gemeinschaft mit der Union zu erwärmen.

Jamaika-Koalition (Union + FDP + Grüne)

Union
169
FDP
50
Grüne
161
Restl.
218
  • Wählerstimmen laut Umfragen: 59,0 %
  • Sitze im Bundestag laut Umfragen: 380 von 598
  • Letzte Jamaika-Koalition im Bundestag: noch nie vorgekommen

Nachdem eine erste Jamaika-Koalition auf Bundes­ebene nach der Bundestags­wahl 2017 scheiterte, hatte die FDP aufgrund ihres einseitigen Abbruchs der Koalitions­gespräche mit Einbrüchen bei den Umfrage­werten zu kämpfen.

Dies führte dazu, dass sich die Liberalen einer solchen Koalition gegenüber wieder offener zeigen und generell Bereitschaft für Regierungs­verantwortung nach der Bundestags­wahl 2021 signalisieren.1

Sollte am Wahlabend eine schwarz-grüne Mehrheit zustande kommen, wird diese wohl den Vorzug erhalten. Falls nicht, so gilt eine Jamaika-Koalition als sehr aussichtsreich.

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Schwarz-grüne Koalition (Union + Grüne)

Union
169
Grüne
161
Restl.
268
  • Wählerstimmen laut Umfragen: 51,3 %
  • Sitze im Bundestag laut Umfragen: 330 von 598
  • Letzte schwarz-grüne Koalition im Bundestag: noch nie vorgekommen

Mit Hessen und Baden-Württemberg gibt es bereits zwei schwarz-grüne Regierungen auf Landes­ebene. Im Bund käme eine schwarz-grüne Koalition aktuell mit 330 Sitzen auf eine knappe Mehrheit. Sie gilt momentan als die wahrschein­lichste und wäre nach der nächsten Bundestags­wahl die einzige, bei der sich nur zwei Fraktionen einigen müssten.

Beide Seiten signalisieren regelmäßig Bereitschaft für ein solches Bündnis.2 Nach der letzten Bundestags­wahl im Jahr 2017 haben sich Union und Grüne in ersten Koalitions­verhandlungen einer gemeinsamen Regierungs­verantwortung bereits angenähert. Die damals noch gemeinsam mit der FDP geführten Gespräche wurden jedoch einseitig von den Liberalen abgebrochen.

Auch in der Bevölkerung stößt diese Konstellation auf die meisten Sympathien.3 Inhaltlich müssten allerdings noch einige Kompromisse gefunden werden – besonders zwischen CSU und Grünen. Vor allem die jeweiligen Partei­basen zeigen sich einer solchen Koalition gegenüber sehr skeptisch.4

Koalitionen ohne Sitzmehrheit

Rot-rot-grüne Koalition (SPD + Linke + Grüne)

SPD
82
Linke
52
Grüne
161
Restl.
303
  • Wählerstimmen laut Umfragen: 45,7 %
  • Sitze im Bundestag laut Umfragen: 295 von 598
  • Letzte rot-rot-grüne Koalition im Bundestag: noch nie vorgekommen

Nach dem Rückzug von Sahra Wagenknecht aus der Partei­führung der Linken gab es wieder Spekulationen, ob nicht ein rot-rot-grünes Bündnis nach der nächsten Bundestags­wahl möglich wäre. Wagenknecht wurden oft extreme Positionen nachgesagt, die SPD und Grüne von einem solchen Bündnis abhielten.5, 6

Doch selbst wenn inhaltliche Differenzen überwunden werden könnten, gibt es aktuellen Umfragen zufolge mit 295 Sitzen keine Mehrheit für eine rot-rot-grüne Koalition.

Ampelkoalition (SPD + FDP + Grüne)

SPD
82
FDP
50
Grüne
161
Restl.
305
  • Wählerstimmen laut Umfragen: 45,4 %
  • Sitze im Bundestag laut Umfragen: 293 von 598
  • Letzte Ampelkoalition im Bundestag: noch nie vorgekommen

Laut aktuellen Umfragen wären FDP, Grüne und SPD mit 293 Sitzen im Parlament vertreten. Damit wäre eine Ampel­koalition allein rechnerisch schon nicht möglich. Doch auch inhaltlich wäre eine solche Koalition nur schwer vorstellbar und ist daher als sehr un­wahrscheinlich zu bewerten.

Große Koalition (CDU + SPD)

Union
169
SPD
82
Restl.
347
  • Wählerstimmen laut Umfragen: 39,0 %
  • Sitze im Bundestag laut Umfragen: 251 von 598
  • Letzte Große Koalition im Bundestag: 1966–1969, 2005–2009, 2013–2017, 2017–(2021)

Bereits nach der letzten Bundestags­wahl 2017 schloss die SPD eigentlich eine weitere Koalition mit der Union aus, ließ sich aber aufgrund fehlender Alternativen nach dem Jamaika-Aus doch noch einmal darauf ein.

Als Gründe für die Skepsis der SPD wurden immer schlechtere Umfrage­werte sowie eine damals schon niedrige Zustimmung zur Großen Koalition in der Bevölkerung angeführt. Laut aktuellen Umfragen hätte eine große Koalition nicht einmal mehr eine regierungs­fähige Mehrheit.

Darüber hinaus sind mittlerweile wieder Alternativen vorhanden und die Zustimmungs­werte zu einer großen Koalition nach wie vor konstant niedrig. Daher gilt eine weitere Koalitions­gemeinschaft zwischen SPD und Union nach der nächsten Bundestags­wahl als sehr unwahrscheinlich.

Schwarz-gelbe Koalition (Union + FDP)

Union
169
FDP
50
Restl.
379
  • Wählerstimmen laut Umfragen: 34,0 %
  • Sitze im Bundestag laut Umfragen: 219 von 598
  • Letzte schwarz-gelbe Koalition im Bundestag: 1961–1966, 1982–1998, 2009–2013

Lange galten Union und FDP als natürliche Koalitions­partner und sind es laut einigen CDU-Politikern auch heute noch.7 Fakt ist, Union und FDP stehen sich in einigen Punkten sehr nahe und könnten sich wohl vor allem in der Wirtschafts­politik gut auf Kompromisse einigen.

Wäre eine schwarz-gelbe Koalition laut aktuellen Umfragen rechnerisch möglich, würde sie nach der Bundestags­wahl 2021 auch sehr wahrscheinlich zustande kommen. Mit den aktuell progno­sti­zierten 219 Sitzen fehlen allerdings noch deutlich Stimmen, um diesem Bündnis realis­tische Chancen bei der nächsten Bundestags­wahl einzuräumen.

Koalitionen mit der AfD

Bisher schließen alle im Parlament vertretenen Parteien eine Koalition mit der AfD kategorisch aus. Mit Christian Hartmann von der CDU Sachsen wurde dies nun zum ersten Mal von einem CDU-Funktionär infrage gestellt, indem er sich einer möglichen Koalition (auf Landes­ebene) gegenüber auf­geschlossen gezeigt hat.8

Bundestagswahl - Koalition mit der AfD

Die CDU-Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer wies dies jedoch entschieden zurück.9 Es ist daher davon auszugehen, dass auch in naher Zukunft keine Koalition mit der AfD geschlossen wird. Trotzdem ist die Offenheit Hartmanns ein erster Schritt in diese Richtung und einige gehen davon aus, dass es nur noch „eine Frage der Zeit“ ist.10

Nächster Artikel:

  1. FAZ, Die gezügelte Ungeduld der FDP, 06.01.2019
  2. Merkur.de, Neue Koalition im Bund? Ein bunter Flirt in Berlin: CDU und Grüne nähern sich an, 25.02.2019
  3. ZDF.de, Politbarometer: Mehrheit für Schwarz-Grün im Bund, 19.10.2018
  4. Spiegel Online, Civey-Umfrage: Wähler bewerten Schwarz-Grün skeptisch, 04.03.2019
  5. Handelsblatt, Wagenknecht will im Bundestag bleiben – Grüne sehen Chance für Rot-Rot-Grün, 12.03.2019
  6. Deutsche Welle, Neue Chance für Rot-Rot-Grün nach Wagenknechts Rückzug?, 12.03.2019
  7. FAZ, Neuer JU-Chef Tilman Kuban: Merz soll Minister werden, aktualisiert am 17.03.2019
  8. MDR, Vor der Landtagswahl 2019: CDU-Fraktionschef Hartmann schließt künftige Koalition mit AfD nicht aus, 27.09.2018
  9. Spiegel Online, Vor Wahlen in Ostdeutschland: Kramp-Karrenbauer gegen Koalitionen mit AfD und Linken, 14.01.2019
  10. N-TV, Koalitionen aus CDU und AfD: Nur eine Frage der Zeit, 03.10.2018