CDU/CSU – Die Unionsparteien bei der Bundestagswahl 2021

Bundestagswahl - CDU CSU (Union)

Obwohl CDU und CSU finanziell, organisatorisch und programmatisch zwei getrennte Parteien sind, bilden sie im Deutschen Bundestag eine gemeinsame Fraktion, die CDU/CSU-Bundestags­fraktion oder Unionsfraktion.

Die Unionsfraktion ist mit 246 von 709 Bundestags­abgeordneten (CDU: 200, CSU: 46) die mit Abstand stärkste Fraktion im Deutschen Bundestag. Gegenüber der Legislatur­periode 2013–2017 hat sie jedoch 65 Sitze verloren (CDU: −55, CSU: −10), trotz einer Vergrößerung des Parlaments um 78 Abgeordnete.

Bei Bundestagswahlen, Landtags­wahlen und Europa­wahlen tritt die CSU ausschließlich in Bayern und die CDU in allen übrigen Bundes­ländern an. Auch bei Mitglied­schaften in den jeweiligen Schwester­parteien gilt grund­sätzlich das Wohnort­prinzip. Hier die Eckdaten1 beider Parteien:

CDU
405.816 Mitglieder
Gegründet:26. Juni 1945
Durch­schnitts­alter:61 Jahre
Frauen­anteil:26,5 Prozent
Sitze im Bundestag:200 von 709
Staatl. Zuschüsse 2019:54,0 Mio. €
Website:www.cdu.de
CSU
139.130 Mitglieder
Gegründet:13. Okt. 1945
Durch­schnitts­alter:60 Jahre
Frauen­anteil:21,3 Prozent
Sitze im Bundestag:46 von 709
Staatl. Zuschüsse 2019:14,7 Mio. €
Website:www.csu.de

Wahlergebnisse bei Bundestagswahlen

Bei der letzten Bundestagswahl im Jahr 2017 bekam die CDU 12,5 Millionen Zweit­stimmen (26,8 Prozent der gültigen Stimmen, −7,4 Prozent­punkten im Vergleich zur Bundestagswahl 2013). Die CSU, die nur in Bayern antritt, erhielt fünf Mal weniger Stimmen als ihre Schwester­partei: 2,9 Millionen (6,2 Prozent).

Union

Wahlergebnisse der Union (CDU CSU) bei Bundestagswahlen

CDU / CSU

Bundestagswahl - Wahlergebnisse der CDU/CSU

Text

Wahlergebnisse der Union bei Bundestags­wahlen seit 1980

Angabe in Prozent der gültigen Zweitstimmen.

  • Bundestagswahl 1980: 44,5 % (CDU 34,2 – CSU 10,3)
  • Bundestagswahl 1983: 48,8 % (CDU 38,2 – CSU 10,6)
  • Bundestagswahl 1987: 44,3 % (CDU 34,5 – CSU 9,8)
  • Bundestagswahl 1990: 43,8 % (CDU 36,7 – CSU 7,1)
  • Bundestagswahl 1994: 41,4 % (CDU 34,2 – CSU 7,3)
  • Bundestagswahl 1998: 35,1 % (CDU 28,4 – CSU 6,7)
  • Bundestagswahl 2002: 38,5 % (CDU 29,5 – CSU 9,0)
  • Bundestagswahl 2005: 35,2 % (CDU 27,8 – CSU 7,4)
  • Bundestagswahl 2009: 33,8 % (CDU 27,3 – CSU 6,5)
  • Bundestagswahl 2013: 41,5 % (CDU 34,1 – CSU 7,4)
  • Bundestagswahl 2017: 32,9 % (CDU 26,8 – CSU 6,2)

Wegen der Rundung auf eine Nach­komma­stelle entspricht die Summe der Wah­lergebnisse von CDU + CSU nicht zwangsweise das Wahl­ergebnis für die Union.

Aussichten der Union bei der Bundestagswahl 2021

Seit Beginn der Coronakrise im Frühjahr 2020 haben sich die Umfrage­werte der CDU/CSU erheblich verbessert. In den Monaten vor der Pandemie war die Union in Umfragen consequent unter der 30-Prozent-Marke gerutscht, und bekam bei der Europawahl 2019 gerade mal 28,9 Prozent der Stimmen – ein Minus von 6,4 Prozent­punkten im Vergleich zu 2014.

Aktuellen Umfrage­werte lassen darauf schließen, dass die Christ­demokraten bei der Bundestagswahl 2021 ihr Ergebnis der letzten Bundestags­wahl sogar verbessern könnten. Dennoch besteht für die Unions­parteien die Gefahr, von einem rot-rot-grünen Bündnis nach 16 Jahren an der Regierung in die Opposition vertrieben zu werden.

Der Erfolg der Union bei der Bundestagswahl 2021 hängt auch vom Erfolg der Großen Koalition ab. Bei den Bundestags­wahlen 2009 und 2017, die jeweils auf eine Große Koalition folgten, verlor die Union stets Stimmen.

Mögliche Kanzlerkandidaten der Union

Markus Söder: aussichts­reicher Spitzen­kandidat will in Bayern bleiben

Schwere Verluste für die CSU in Bayern

Bei der letzten Landtagswahl in Bayern büßte die Partei des bayerischen Minister­präsidenten Markus Söder 10,5 Prozent­punkte zugunsten von AfD und Grünen ein. Die CSU verlor die absolute Mehrheit im Bayerischen Landtag und musste eine Koalition mit den Freien Wählern eingehen, auf Landes­ebene eine Premiere.

Markus Söder wird nicht Kanzlerkandidat bei der Bundestagswahl

Allen Spekulationen zum Trotz hat Markus Söder kein Interesse an einer Kanzlerkandidatur

Foto: European People’s Party. Quelle: Flickr. Lizenz: CC BY 2.0

Mitte 2018 war Markus Söder Deutschlands unbeliebtester Minister­präsident.2 Doch seitdem steigen seine Beliebtheits­werte in Bayern kontinuierlich. Dennoch stagnieren die Umfrage­werte für die CSU und ihren Koalitionspartner. Die Koalition aus CSU und Freien Wählern spaltet Bayern weiterhin: Laut Umfragen sind in Bayern besonders Wähler von AfD und Grünen unzufrieden mit der Arbeit ihrer Landesregierung.3

Markus Söder will (zunächst) nicht Bundeskanzler werden

Aktuelle Umfragen zu potenziellen Spitzen­kandidaten der CDU/CSU zeigen, dass Söders Bekanntheits­grad außerhalb von Bayern niedrig ist: Je nach Umfrage wünschen sich gerade einmal acht bis neun Prozent der Deutschen Markus Söder als Kanzler­kandidaten der Union.4

Trotzdem wird seit 2018 darüber spekuliert, ob Markus Söder nach der nächsten Bundestags­wahl Angela Merkel im Kanzleramt ablösen könnte. Der CSU-Chef machte jedoch immer wieder deutlich, dass er kein Interesse an einer Kanzler­kandidatur habe.

„Meine Ambitionen sind und bleiben hier in Bayern.“
Markus Söder, 04.11.2019

Diese Unionspolitiker werden nicht Kanzlerkandidaten

Jens Spahn

Der gelernte Bankkaufmann Jens Spahn (40) war 2002 jüngstes Mitglied im Deutschen Bundestag. Von 2009 bis 2015 war er gesundheits­politischer Sprecher der Union, 2013 bis 2018 Parlamen­tarischer Staats­sekretär für Finanzen.

Spahn ist seit 2018 Bundes­minister für Gesundheit im Kabinett Merkel IV. Die Neue Zürcher Zeitung sieht in Spahn sogar ein „Kanzler-Gen“.5

Jens Spahn als potentieller Nachfolger Merkels nach der nächsten Bundestagswahl

Der Gesundheitsminister Jens Spahn wird immer wieder als möglicher Merkel-Nachfolger genannt

Foto: Stephan Baumann. Quelle: Wikimedia. Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Vielen gilt der wirtschafts­liberale Politiker als Nachwuchs­hoffnung für einen bevor­stehenden Generations­wechsel in der Union, der vor allem dem konservativen Flügel dienen dürfte. Als Jungpolitiker trauen ihm viele dieses Amt noch nicht zu. Ein Blick zu Merkels Amtskollegen Sebastian Kurz nach Österreich zeigt, dass eine Steilkarriere frischen Wind in einen Bundestag bringen kann.

Annegret Kramp-Karrenbauer verzichtet auf Kanzlerkandidatur

Am 10. Februar 2020 erklärte Annegret Kramp-Karrenbauer ihren Verzicht auf die Kanzlerkandidatur der Union. Sie bleibe Verteidigungsministerin, werde aber nach der Wahl eines Kanzlerkandidaten vom Parteivorsitz zurücktreten.6, 7

Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK), 58 Jahre alt, war von 2012 bis 2018 Minister­präsidentin des Saarlandes. Ihr Amt als saar­ländische Minister­präsidentin legte sie im Februar 2018 nieder, als sie auf einem Parteitag der CDU mit 98,87 Prozent der Stimmen in das Amt der General­sekretärin gewählt wurde.

Bundestagswahl 2021 - Annegret Kramp-Karrenbauer, mögliche Spitzenkandidatin der CDU/CSU und Nachfolgerin von Angela Merkel

Annegret Kramp-Karrenbauer galt lange als designierte Nachfolgerin von Angela Merkel

Foto: Lisa Ferdinando. Quelle: U.S. Secretary of Defense / Flickr. Lizenz: CC BY 2.0

Am 7. Dezember 2018 wurde Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem 31. Parteitag der CDU zur Bundes­vorsitzenden gewählt. Bereits im ersten Wahlgang erhielt sie 45,0 Prozent der Stimmen und lag damit deutlich vor ihren Konkurrenten Friedrich Merz und Jens Spahn. In der ans­chließenden Stichwahl zwischen Kramp-Karrenbauer und Merz erhielt sie 51,8 Prozent der Stimmen und damit die absolute Mehrheit.

Nach ihrer Wahl zur Nachfolgerin Merkels (als CDU-Vorsitzende) galt Kramp-Karrenbauer lange als wahr­schein­lichste Spitzen­kandidatin der CDU bei der Bundestags­wahl 2021 – bis zu ihrem überraschenden Rückzug Anfang 2020.

Julia Klöckner

Seit Anfang 2018 ist Julia Klöckner (47) Teil des Kabinetts Merkel IV und bekleidet das Amt der Bundes­ministerin für Ernährung und Land­wirtschaft. Zudem ist sie seit 2012 eine von Angela Merkels Stell­vertreter(inne)n im CDU-Bundes­vorstand und seit 2002 Abgeordnete im Deutschen Bundestag.

Bundestagswahl 2021 - Julia Klöckner (Mögliche Kandidatin der CDU)

Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner

Foto: Olaf Kosinsky/Skillshare.eu. Quelle: Wikimedia. Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Julia Klöckner war in ihrem Heimatland Rheinland-Pfalz Spitzen­kandidatin der CDU und unterlag mit ihrer Partei bei den Landtags­wahlen 2011 und 2016 zweimal der SPD. Bei der Landtagswahl 2021 in Rheinland-Pfalz will Klöckner nicht mehr als Spitzenkandidatin antreten, stattdessen soll Christian Baldauf den Landtagswahlkampf führen.8

Julia Klöckner wurde einst als eine mögliche Nachfolgerin Angela Merkels gesehen9 – seit Monaten wird sie in diesem Kontext jedoch nicht mehr genannt.

Wahlprogramm der Union für die Bundestagswahl

Wahlprogramm der Union für die Bundestagswahl (CDU-CSU)

Das gemeinsame Wahlprogramm der CDU und CSU nennt die Union „Regierungsprogramm“. Vor der letzten Bundestagswahl haben die Unions­parteien ihr Programm am 3. Juli 2017 beschlossen – knappe drei Monate vor der Bundestags­wahl und als letzte der großen Parteien.

Auch im Bundestagswahlkampf 2021 ist davon auszugehen, dass die Union ihr Wahl­programm kurz vor der Sommerpause beschließen wird.

Das 78-seitige Wahlprogramm für die letzte Bundestagswahl können Sie hier herunterladen:

Weitere Programme der CDU/CSU

Das Programm der Union für die Bundestagswahl 2013 ist ebenfalls noch verfügbar und kann als PDF heruntergeladen werden:

Auch die Grundsatzprogramme der Unions­parteien besitzen Gültigkeit und können hier heruntergeladen werden:

CDU:

CSU:

Wichtige Termine der Unionsparteien vor der Bundestagswahl

Bundesparteitag der CDU

Der 33. Parteitag der CDU Deutschlands soll vom 03.12.2020 bis 05.12.2020 in Stuttgart stattfinden. Folgende Programm­punkte könnten für die Bundestags­wahl 2021 besonders relevant sein:

  • Entscheidung über die Nachfolge von Annegret Kramp-Karrenbauer an der Parteispitze
  • Verabschiedung des neuen Grundsatzprogramms

Großer Parteitag der CSU

Der für Ende des Jahres geplante „große Parteitag“ der CSU mit mehr als 1000 Delegierten und Gästen wurde wegen der Corona-Infektions­lage auf einen unbestimmten Termin in der ersten Hälfte 2021 verschoben. Anders als bei der CDU müssen jedoch bei den Christ­sozialen keine Neuwahlen stattfinden.

CSU-Parteivorsitzender Markus Söder betonte, die Verschiebung des Termins sei auch politisch sinnvoll: „Dann gibt es auch mehr Klarheit bei den Personal­entscheidungen der CDU.“10

  1. Stand: 31.12.2019. Quelle für die Mitglieder­zahl, Durch­schnitts­alter und Frauen­anteil: Parteimitglieder in Deutschland, Version 2020, Oskar Niedermayer / Freie Universität Berlin
  2. FAZ, Mit Abstand: Söder ist Deutschlands unbeliebtester Minister­präsident, 06.08.2018
  3. Augsburger Allgemeine, „Bayern-Monitor“, Ein Jahr nach Landtags­wahl: Koalition spaltet Bayern weiterhin, 12.10.2019
  4. YouGov-Umfrage vom 06.11.2019 im Auftrag des Redaktions­netzwerks Deutschland. Weitere Umfrage: Kantar-Umfrage vom 01.11.2019 im Auftrag der Funke-Medien­gruppe (siehe oben).
  5. Quelle: Neue Zürcher Zeitung, Merkel und ihr Schattenmann, 20.08.2018
  6. Spiegel Online, Kramp-Karrenbauer kündigt Rücktritt als CDU-Chefin an, 10.02.2020
  7. manager-magazin.de, Kramp-Karrenbauer verzichtet auf Kanzlerkandidatur und will CDU-Vorsitz abgeben, 10.02.2020
  8. Frankfurter Allgmeine, Julia Klöckner : Weiterackern in Berlin, 18.06.2019
  9. Quelle: NTV – Wer würde Merkels Nachfolger werden?, 26.05.2018
  10. Augsburger Allgemeine, Markus Söder will großen Parteitag der CSU auf 2021 verschieben, 04.09.2020