Bundestagswahl 2021: Umfragen, Prognosen und Projektionen

Zuletzt aktualisiert: 02.08.2020

Umfragen zur Bundestagswahl 2021

Folgendes Diagramm zeigt den Durch­schnitt der drei letzten großen Umfragen1 (sogenannte Sonntags­fragen) zur Bundestagswahl 2021.

Umfragen

Bundestagswahl
Bundestagswahl - Umfrage

Ausgangslage

Ausgangslage im Vorfeld der Bundestagswahl 2021

Text

Umfragen zur Bundestagswahl 2021

Sonntagsfrage: „Wenn am nächsten Sonntag Bundestags­wahl wäre, welche der folgenden Parteien würden Sie dann wählen?“

  • CDU/CSU: 37,7 % (+ 4,8)
  • Bündnis 90/Die Grünen: 18,7 % (+ 10,3)
  • SPD: 14,7 % (− 5,8)
  • AfD: 9,0 % (− 3,6)
  • Die Linke: 8,0 % (− 1,2)
  • FDP: 5,7 % (− 5,0)
  • Sonstige: 6,3 % (+ 1,3)

Mittelwerte der folgenden Umfragen: Kantar-Umfrage vom 02.08.2020, Forsa-Umfrage vom 01.08.2020 sowie „Forschungsgruppe Wahlen“-Umfrage vom 31.07.2020.

Endgültiges Ergebnis der Bundestags­wahl 2017 (Zweitstimmen)

  • CDU/CSU: 32,9 %
  • SPD: 20,5 %
  • AfD: 12,6 %
  • FDP: 10,7 %
  • Die Linke: 9,2 %
  • Bündnis 90/Die Grünen: 8,9 %
  • Sonstige: 5,0 %

Wahlergebnis in Prozent der abgegebenen gültigen Zweitstimmen. Wahlbeteiligung: 76,2 %.

Die Aussichten der Union bei der Bundestagswahl 2021

Bei der nächsten Bundestagswahl werden laut aktuellen Umfragen2 37,7 Prozent der Wähler ihre Stimme für die CDU/CSU abgeben. Dies würde einen Anstieg von 4,8 Prozent­punkten im Vergleich zur letzten Wahl bedeuten. Gegenüber dem Ergebnis aus dem Jahr 2013 würde die Union hingegen 3,8 Prozent­punkte verlieren.

Bundestagswahlen

Wahlergebnisse der Union (CDU und CSU) im Hinblick auf die nächste Bundestagswahl

Landtagswahlen

Wahlergebnis der CDU und CSU (Union) bei Landtagswahlen und bei der Bundestagswahl

Karte

Geographische Verteilung der CDU/CSU-Wähler

Besonders hohe Ergebnisse von über 40 Prozent erhielt die CDU 2017 in Teilen von Nieder­sachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. In Bayern konnte die CSU größten­teils hohe Prozent­zahlen erreichen und erhielt insgesamt 38,8 Prozent der Stimmen.

Ergebnis der Unionsparteien (CDU und CSU) bei der Bundestagswahl (Karte)

Wenig Erfolg hingegen hat die Union in weiten Teilen Sachsens und Brandenburgs sowie in einigen Teilen der Bundes­länder Thüringen und Sachsen-Anhalt. Besonders in Sachsen und Sachsen-Anhalt verlor die CDU gegenüber der vorher­gehenden Wahl viele Wähler.

Langfristig betrachtet zeigt sich ein Rückgang an Stimmen für die CDU/CSU. Seit der Wahl 1983 erreichte die Union keine Werte über 45 Prozent mehr. In den letzten 20 Jahren lag die CDU/CSU mit einer Ausnahme stets unter 40 Prozent­punkte. Einzig im Jahr 2013 konnte die Partei 41,5 Prozent der Wähler von sich überzeugen.

Bundestagswahl 2021: Bündnis 90/Die Grünen

Bundestagswahlen

Wahlergebnisse von Bündnis 90-Die Gruenen bei Bundestagswahlen

Landtagswahlen

Bundestagswahl - Wahlergebnisse der Grünen bei Landtags- und Bundestagswahlen

Karte

Ergebnis der Grünen bei der Bundestagswahl (Karte)

Die Grünen verzeichnen bei der nächsten Bundestags­wahl möglicherweise den stärksten Zuwachs aller Parteien: Sie könnten im Vergleich zur letzten Bundestags­wahl 10,3 Prozent­punkte hinzu­gewinnen und 18,7 Prozent der Zweit­stimmen bekommen. Damit würden die Grünen ihr bisher bestes Ergebnis auf Bundes­ebene im Jahr 2009 (10,7 Prozent­punkte) deutlich übertrumpfen.

Die SPD im Abwärtstrend

Bundestagswahlen

Wahlergebnisse der SPD im Hinblick auf die nächste Bundestagswahl

Landtagswahlen

Bundestagswahl - Ergebnisse der SPD bei Landtags- und Bundestagswahlen

Karte

Ergebnis der SPD bei der Bundestagswahl (Karte)

Bei der Bundestagswahl 2021 erhielte die SPD laut aktuellen Umfragen 14,7 Prozent der Wähler­stimmen und verlöre damit gegenüber der Wahl 2017 5,8 Prozent­punkte. Diese Prognose stellt eine Fort­setzung des seit 1998 bestehenden Abwärts­trends der SPD dar. In den vergangen 20 Jahren verlor die SPD mehr als die Hälfte ihrer Wähler.

Bundestagswahl 2021: die Alternative für Deutschland

Wahlergebnisse

Wahlergebnisse der AfD im Hinblick auf die Bundestagswahl

Karte

Ergebnis der AfD bei der Bundestagswahl

Laut aktuellen Umfragen könnte die Alternative für Deutschland 9,0 Prozent der Stimmen erreichen, wenn nächsten Sonntag Wahlen wären. Dies entspricht einem Minus von 3,6 Prozent­punkten im Vergleich zur letzten Bundestags­wahl im Jahr 2017.

Die weiterhin starken Umfrage­ergebnisse könnten damit zusammen­hängen, dass die Zuwanderung, eines der Kern­themen der AfD, in der öffentlichen Wahrnehmung nach wie vor als sehr wichtiges Problem eingeschätzt wird.3

Die Tatsache, dass die Umfrage­werte der AfD auch nach über einem Jahr im Parlament derart konstant sind und deutlich über der Fünf-Prozent-Hürde liegen, lässt vermuten, dass sich die AfD lang­fristig im deutschen Parteien­system etablieren könnte.

Bundestagswahl 2021: DIE LINKE.

Bundestagswahlen

Wahlergebnisse der Partei DIE LINKE im Hinblick auf die nächste Bundestagswahl

Landtagswahlen

Die Linke - Wahlergebnisse bei Landtagswahlen und Bundestagswahlen

Karte

Bundestagswahl, Ergebnis der Partei 'Die Linke'

Die Linke (Eigenschreib­weise: DIE LINKE.) bekäme laut aktuellen Umfragen 8,0 Prozent der Wähler­stimmen. Sie würde damit 1,2 Prozent­punkte schlechter als bei der letzten Bundestags­wahl und 3,9 Prozent­punkte schlechter als bei ihrem historisch guten Ergebnis von 2009 abschneiden.

Die seit Jahren andauernden Macht- und Flügel­kämpfe könnten ein Grund für die stagnierenden Umfrage­ergebnisse sein.4

Die FDP im Hinblick auf die nächste Bundestagswahl

Bundestagswahlen

Bundestagswahl – Wahlergebnisse der FDP

Landtagswahlen

Die FDP bei der Bundestagswahl und bei Landtagswahlen

Karte

Bundestagswahl, Ergebnis der FDP

Die FDP würde aktuellen Prognosen zufolge schlechter abschneiden als bei der letzten Bundestags­wahl. Die Liberalen würden demnach nur noch 5,7 Prozent der Zweit­stimmen erhalten – dies bedeutet ein Minus von 5,0 Prozentpunkten.

Der Abbruch der Jamaika-Koalitions­gespräche zwei Monate nach der Bundestags­wahl 2017 führte zu Verlusten bei den Umfrage­werten, die seitdem nicht mehr zurück­gewonnen werden konnten. Mit Blick auf die nächste Bundestagswahl ist die FDP zudem mit dem Problem konfrontiert, dass Christian Lindner und Wolfgang Kubicki die einzigen wirklich öffentlichkeits­wirksamen Personen der Partei sind.5

Berücksichtigung des Nichtwähler­anteils bei der Darstellung von Wahlumfragen

Bei der allgemein akzeptierten Darstellung von Wahl­umfragen und Wahl­ergebnissen wird die Wahl­beteiligung nicht berück­sichtigt: Die für eine Partei abgegebenen Stimmen werden im Verhältnis zu der Zahl der abgegebenen gültigen Zweit­stimmen berechnet. Die Nichtwähler sowie die ungültigen Stimmen (darunter auch die Leer­stimmen) werden einfach ignoriert.

Es besteht jedoch die Möglichkeit, die für eine Partei abgegebenen Stimmen in Relation zu der Zahl der Wahl­berechtigten zu setzen – und nicht in Relation zu den abgegebenen gültigen Zweitstimmen.

Bei der folgenden Darstellung wird der Nichtwähler­anteil (bei einer fiktiven Wahl­beteiligung von 78,0 Prozent) auf die Umfrage­ergebnisse einer aktuellen Forsa-Sonntags­frage6 projiziert. Dadurch wird klar, dass die Anzahl der Nicht­wähler tatsächlich zweimal höher ist als zum Beispiel die Anzahl der Wähler der SPD.

Diagramm

Wahlumfragen zur Bundestagswahl (mit Berücksichtigung der Wahlbeteiligung)

Ausgangslage

Nächste Bundestagswahl - Wahlumfragen (Ausgangslage)

Text

Umfrage zur Bundestagswahl 2021: Projektion mit Berück­sichtigung der Nichtwähler

  • CDU/CSU: 29,6 %
  • Nichtwähler: 22,0 %
  • Bündnis 90/Die Grünen: 14,0 %
  • SPD: 10,9 %
  • AfD: 6,2 %
  • Die Linke: 6,2 %
  • FDP: 4,7 %
  • Sonstige: 6,2 %

Zweitstimmenanteil von allen Wahl­berechtigten bei 78,0 Prozent Wahl­beteiligung. Als Grundlage für die Projektion dient die Forsa-Umfrage vom 01.08.2020. Projektion/Diagramm: www.bundestagswahl-2021.de

Bundestagswahl 2021: Sitzverteilung im Bundestag

Der Bundestag setzt sich regulär aus 598 Mitgliedern zusammen (ohne Über­hang­- und Aus­gleichs­man­date). Die Sitz­zuteilung erfolgt nach dem Sainte-Laguë/Schepers-Verfahren.7 Demnach ergäbe sich laut Umfragen folgende Sitz­verteilung im Bundestag:

Umfragen

Bundestagswahl - Sitzverteilung im Bundestag (Projektion, basiert auf Umfragen)

Ausgangslage

Ausgangslage bei der Sitzverteilung im Deutschen Bundestag (Anfang der Legislaturperiode 2017–2021)

Text

Sitzverteilung im 20. Deutschen Bundestag laut Umfragen zur Bundestagswahl 2021

  • Union: 241 Sitze
  • Bündnis 90/Die Grünen: 119 Sitze
  • SPD: 94 Sitze
  • AfD: 57 Sitze
  • Die Linke: 51 Sitze
  • FDP: 36 Sitze

Berücksichtigte Umfragen: siehe Fußnote 1. Stand: 02.08.2020

Sitzverteilung im 19. Deutschen Bundestag (nach der Bundestagswahl 2017)

  • Union: 246 Sitze
  • SPD: 153 Sitze
  • AfD: 94 Sitze
  • FDP: 80 Sitze
  • Die Linke: 69 Sitze
  • Bündnis 90/Die Grünen: 67 Sitze

In der Praxis ist die Anzahl der Abgeordneten wegen Überhang- und Ausgleichs­mandaten8 deutlich höher: Zu Beginn der Legislatur­periode 2017–2021 hatte der 19. Bundestag 709 Abgeordnete.

Nächste Bundestagswahl: Umfragen zu den Kleinparteien

Piraten und Freie Wähler wurden früher bei Umfragen berücksichtigt

Die großen Umfrageinstitute berücksichtigen derzeit keine Klein­parteien bei den „Sonntags­fragen“ zur Bundestagswahl. Dies ist nicht immer der Fall gewesen: Im Vorfeld der Bundestags­wahl 2013 wurde die Piraten­partei anderthalb Jahre lang bei fast allen Umfragen berück­sichtigt, die Piraten bekamen beim End­ergebnis 2,2 Prozent der Zweitstimmen (beinahe eine Million Stimmen).

Nächste Bundestagswahl - Kleinparteien (Ausgangslage)

Auch die Freien Wähler (FW) wurden vor der Bundestags­wahl 2013 in Umfragen mitberücksichtigt, allerdings nur von den Umfrage­instituten GMS und INSA (damals von YouGov Deutschland durch­geführt), ab etwa 14 Monaten vor der Wahl. Beim End­ergebnis lagen die Freien Wähler bei 1,0 Prozent (424.977 Zweitstimmen).

Umfragen vor den Bundestagswahlen 2017 und 2021 ohne Kleinparteien

Nach der Bundestagswahl 2013 wurden Piraten, Freie Wähler sowie weitere Klein­parteien in den meisten Umfragen nicht mehr berück­sichtigt – auch hier mit Ausnahme der Umfrage­institute GMS und INSA, die Piraten und FW bis Mitte 2015 in ihren Umfrage­ergebnissen aufführten.

Dass bei telefonischen Umfragen, wie sie die meisten Umfrage­institute vornehmen, wie auch bei persönlichen mündlichen Befragungen (Institut für Demoskopie Allensbach) das Mit­einbeziehen von Klein­parteien mit einem höheren Aufwand und Mehrkosten verbunden ist, kann als ein plausibler Grund für das Aus­schließen der Klein­parteien aus den Umfragen angesehen werden.

Kleinere Parteien unberücksichtigt: eine politisch motivierte Entscheidung?

Bei Online-Umfragen (INSA und YouGov) ist der Kosten­faktor der Befragung zusätzlicher Parteien hingegen als sehr gering ein­zuschätzen. Die Frage einer politisch motivierten Entscheidung, Klein­parteien aus­zuschließen, kann hier also gestellt werden. Umso mehr, als in anderen europäischen Ländern (z. B. Spanien, Polen) Klein­parteien oder aussichts­schwache Präsidentschafts­kandidaten (z. B. in Frankreich) in Umfragen tatsächlich berücksichtigt werden.

Kleinparteien in Umfragen: das Beispiel Europawahl

Dass Kleinparteien auch in Sonntags­fragen zur Bundestags­wahl einbezogen werden könnten, hat die Europawahl 2019 gezeigt. In den vom Umfrage­institut INSA im Auftrag der BILD durch­geführten Umfragen traten neben Freien Wählern und Piraten auch „die PARTEI“ sowie die Tierschutzpartei auf.

Nächste Bundestagswahl - Umfragewerte der Kleinparteien

Diese vier Parteien konnten nach der Wahl dank der nicht vorhandenen Sperrklausel ein bis zwei Abgeordnete ins Europa­parlament schicken. Auch die ÖDP, die Familienpartei sowie die Partei „Volt“ konnten ins Parlament einziehen – allerdings ohne die Hilfe einer erhöhten Medien­präsenz durch eine Erscheinung in Wahlumfragen.

Nächster Artikel:

  1. Kantar-Umfrage vom 02.08.2020, Forsa-Umfrage vom 01.08.2020 sowie „Forschungsgruppe Wahlen“-Umfrage vom 31.07.2020
  2. Ebd.
  3. Forschungsgruppe Wahlen e.V., Politbarometer/Themen/Politik II, abgerufen am 08.05.2020
  4. Spiegel Online, Identitätskrise der Linken: Die Stillstandpartei, 24.02.2019
  5. Handelsblatt, FDP zeigt sich wieder offen für Jamaika-Bündnis – hat aber ein Problem, 06.01.2019
  6. Quelle: Forsa-Umfrage vom 01.08.2020
  7. Siehe „Sainte-Laguë/Schepers“ auf der Website des Bundeswahl­leiters
  8. Wie Überhang- und Ausgleichs­mandate entstehen, wird im folgenden Video der Bundes­zentrale für politische Bildung erklärt: Überhang- und Ausgleichs­mandate