Bundestagswahl 2021: mögliche Spitzenkandidaten der Parteien

Zuletzt aktualisiert: 20.03.2018

Kandidaten bei der nächsten Bundestagswahl

Angela Merkel nicht erneut Spitzenkandidatin

Angela Merkel ist seit dem 22. November 2005 Bundes­kanzlerin.1 Ihre Amts­zeit endet voraus­sichtlich im Jahr 2021 mit dem Zusammen­tritt2 des neuen Bundestages, wenige Wochen nach der nächsten Bundestags­wahl. Zu diesem Zeit­punkt wird sie 16 Jahre Bundes­kanzlerin gewesen sein, so lange wie der bisherige „Rekord­kanzler“ Helmut Kohl, Bundes­kanzler von 1982 bis 1998.

Ende Oktober 2018 gab Angela Merkel bekannt, dass sie bei der Bundestags­wahl 2021 nicht als Spitzen­kandidatin der CDU kandidieren werde.

Auch Merkels Alter spricht gegen eine erneute Spitzen­kandidatur: Zum Zeit­punkt der nächsten Bundestags­wahl ist sie 67 Jahre alt und hat damit die Regel­alters­grenze (das reguläre Renten­eintritts­alter für ihren Geburts­jahrgang) bereits seit anderthalb Jahren überschritten.

Merkels mögliche Nachfolger: Wer wird Kanzler­kandidat der Union?

Mehr als zehn CDU-Politiker gelten als potenzielle Kandidaten für die Nachfolge von Angela Merkel im Bundes­kanzleramt.3 Hier stellen wir drei mögliche Nach­folgerInnen vor, die als Favoriten gelten.

1. Annegret Kramp-Karrenbauer

Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK), 56, Jahre alt, war von 2012 bis 2018 Minister­präsidentin des Saarlandes. Ihr Amt als saar­ländische Minister­präsidentin legte sie im Februar 2018 nieder, als sie auf einem Parteitag der CDU mit 98,87 Prozent der Stimmen in das Amt der General­sekretärin gewählt wurde.

Bundestagswahl 2021 - Annegret Kramp-Karrenbauer, mögliche Spitzenkandidatin der Union und Nachfolgerin von Angela Merkel

Annegret Kramp-Karrenbauer gilt als designierte Nachfolgerin von Angela Merkel

Foto: Sandro Halank. Quelle: Wikimedia. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Am 7. Dezember 2018 wurde Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem 31. Parteitag der CDU zur Bundes­vorsitzenden gewählt. Bereits im ersten Wahlgang erhielt sie 45, 05 Prozent der Stimmen und lag damit deutlich vor ihren Konkurrenten Friedrich Merz und Jens Spahn. In der ans­chließenden Stichwahl zwischen Kramp-Karrenbauer und Merz erhielt sie 51,75 Prozent der Stimmen und damit eine absolute Mehrheit.

Spätestens seit ihrer Wahl zur Nachfolgerin Merkels als CDU-Vorsitzende gilt Annegret Kramp-Karrenbauer als wahr­schein­lichste Spitzen­kandidatin der CDU bei der Bundestags­wahl 2021. Dass sie Angela Merkel bereits vor 2021 als Kanzlerin ablöst, ist nicht auszuschließen.4, 5

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2. Jens Spahn

Der gelernte Bankkaufmann Jens Spahn (37) war 2002 jüngstes Mitglied im Deutschen Bundestag. Von 2009 bis 2015 war er gesundheits­politischer Sprecher der Union, 2013 bis 2018 Parlamen­tarischer Staats­sekretär für Finanzen.

Spahn ist seit 2018 Bundes­minister für Gesundheit im Kabinett Merkel IV.6 Er gilt als kompetent, ehrgeizig und weiß sich zu positionieren, was ihn für höchste Aufgaben qualifizieren dürfte. Die Neue Zürcher Zeitung sieht in Spahn sogar ein „Kanzler-Gen“.7

Jens Spahn als potentieller Nachfolger Merkels nach der nächsten Bundestagswahl

Der Gesundheitsminister Jens Spahn wird immer wieder als möglicher Merkel-Nachfolger genannt

Foto: Stephan Baumann. Quelle: Wikimedia. Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Vielen gilt der wirtschafts­liberale Politiker als Nachwuchs­hoffnung für einen bevor­stehenden Generations­wechsel in der Union, der vor allem dem konservativen Flügel dienen dürfte. Als Jungpolitiker trauen ihm viele dieses Amt noch nicht zu. Ein Blick zu Merkels Amtskollegen Sebastian Kurz nach Österreich zeigt, dass eine Steilkarriere frischen Wind in einen Bundestag bringen kann.

Während Spahn unter Neokonservativen als „Hipster der neuen Rechten“ gilt
8, werfen seine jüngsten Handlungen im politisch stark umkämpften Amt des Gesundheits­ministers unter liberalen Markt­wirtschaftlern Fragen auf.

Der designierte Gesundheitsminister kündigte Beitrags­erhöhungen der Pflege­versicherung und Untergrenzen für Pflege­personal in Kranken­häusern an. Auch wolle er „zweistellige Rendite“ im Gesundheits­sektor unterbinden – wobei er verschweigt, wo diese dort zu finden seien. Somit zeigt er sich bürgernah und problem­bewusst, Kritiker werfen ihm Populismus vor.9

Bisher navigierte sich Spahn erfolgreich durch den Lobbydschungel im Gesundheits­wesen. In seiner Vergangenheit als CDU-Gesundheits­experte warf man ihm selbst Lobbyismus vor: bis 2010 hielt Spahn Anteile an der Pharma-Lobby­agentur Politas, womit er Negativ­schlagzeilen machte, die sein Ansehen jedoch nicht nachhaltig beschädigten10

3. Julia Klöckner

Seit Anfang 2018 ist Julia Klöckner (46) Teil des Kabinetts Merkel IV und bekleidet das Amt der Bundes­ministerin für Ernährung und Land­wirtschaft. Zudem ist sie seit 2012 eine von Angela Merkels Stell­vertreter(inne)n im CDU-Bundes­vorstand und seit 2002 Abgeordnete im Deutschen Bundestag.

Julia Klöckner war in ihrem Heimatland Rheinland-Pfalz Spitzen­kandidatin der CDU und unterlag mit ihrer Partei bei den Landtags­wahlen 2011 und 2016 zweimal der SPD. Ihre Mandate auf Bundes­ebene verbindet Klöckner mit politischen Ämtern auf Landes­ebene: Seit 2010 ist sie Vor­sitzende der CDU Rheinland-Pfalz.

Bundestagswahl 2021 - Julia Klöckner (Mögliche Kandidatin der CDU)

Julia Klöckner setzt sich gegen den Flügel-Kampf in der CDU ein. Sie ist eine der möglichen Nachfolger Merkels

Foto: Olaf Kosinsky/Skillshare.eu. Quelle: Wikimedia. Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Julia Klöckner wird als eine mögliche Nachfolgerin für Kanzlerin Angela Merkel gesehen.11 Dabei hebt sie sich besonders durch ein halb­distanziertes Verhältnis zu Angela Merkel von der als Merkel-nah geltenden Annegret Kramp-Karrenbauer und dem Merkel-Kritiker Jens Spahn ab.

Klöckner ist Mitglied im Zentralrat der Katholiken und setzt sich für ein Verbot der Voll­verschleierung von muslimischen Frauen in Deutschland ein.12 Als Bundes­landwirtschafts­ministerin plant sie eine Erhöhung der Forschungs­förderung von Bio-Landwirtschaft, äußert sich aber zögerlich zu einem Verbot von Glyphosat.13

Die möglichen Spitzenkandidaten der SPD: Wer führt die Partei aus der Krise?

Bei den letzten Bundestags­wahlen wurde der Spitzen­kandidat der SPD stets erst einige Monate vor der Wahl bekannt­gegeben. Doch dieses Verfahren hatte auch zur Folge, dass der Kandidat nur einen kurzen Wahlkampf führen konnte.

Deswegen hat die SPD-Führung beschlossen, den Kandidaten oder die Kandidatin für die Bundestags­wahl 2021 deutlich früher bekannt­zugeben.14 Derzeit haben Andrea Nahles und Olaf Scholz Aussichten auf die Spitzenkandidatur.

1. Andrea Nahles: von der Partei­vorsitzenden zur Spitzenkandidatin?

Für die Bundestagswahl 2021 gilt Andrea Nahles, derzeit Partei­vorsitzende und Fraktions­chefin, als mögliche Spitzen­kandidatin der SPD. Sie wäre damit bei den Sozial­demokraten die erste Frau auf diesem Posten.

Andrea Nahles wurde im Juni 1970 in Rheinland-Pfalz geboren. Sie stammt aus einer katholisch geprägten Familie der Mittel­schicht und ist auch heute noch bekennende Katholikin. An der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn studierte sie Germanistik und Literatur­wissenschaften.

Andrea Nahles‘ steiler Aufstieg in die Parteiführung

Bereits als 18-Jährige trat Andrea Nahles in die SPD ein und war zwischen 1995 und 1999 Bundes­vorsitzende der Jung­sozialisten. Von 1998 bis 2002 war Nahles erstmals Bundestags­abgeordnete der SPD. Seit 2005 ist sie durchgehend Mitglied im Bundestag. 2007 wurde Nahles zur stell­vertretenden Partei­vorsitzenden gewählt.

Andrea Nahles – Wird sie Bundeskanzlerin?

Andrea Nahles war von 2009 bis 2013 General­sekretärin der SPD

Foto: Neumann und Rodtmann. Quelle: Flickr. Lizenz: CC BY-SA 2.0

In der Legislaturperiode 2013–2017 war sie Bundes­ministerin für Arbeit und Soziales. Ihre Wahl zur Fraktions­chefin der SPD im Bundestag im September 2017 erfolgte mit einer Zustimmung von 90 Prozent. Im Gegensatz dazu erhielt sie bei ihrer Wahl zur Partei­vorsitzenden im April 2018 nur knapp zwei Drittel der Stimmen.


2. Olaf Scholz: vom Vizekanzler zum Kanzlerkandidaten?

Für die nächste Bundestagswahl, wie schon für die Bundestags­wahl 2017, wird Olaf Scholz als möglicher Spitzen­kandidat der SPD gehandelt.

Olaf Scholz wurde im Juni 1958 in Osnabrück geboren und wuchs in Hamburg auf. Er nahm 1978 ein Studium der Rechts­wissenschaft an der Hamburger Universität auf. Als Fachanwalt für Arbeitsrecht gründete er eine Anwalts­kanzlei, in der er noch Partner ist.

Olaf Scholz‘ Karriere in der SPD

Seit Dezember 2001 ist Olaf Scholz Mitglied im Partei­vorstand der SPD. 2002 wurde er mit 91,3 Prozent zum General­sekretär der SPD gewählt, ein Amt, das er bis 2004 innehatte. Im November 2009 wurde er stell­vertretender Partei­vorsitzenden der SPD.

Olaf Scholz, möglicher Spitzenkandidat der SPD bei der nächsten Bundestagswahl

Olaf Scholz ist seit März 2018 Bundes­minister der Finanzen

Foto: Inga Kjer/Photothek/Deutscher Bundestag. Quelle: Flickr. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Nachdem Martin Schulz im Februar 2018 vom Partei­vorsitz zurück­getreten war, wurde Scholz für zwei Monate sein kommissarischer Nachfolger. Nach ihrer Wahl im April 2018 übernahm Andrea Nahles diese Position und Scholz wurde erneut stell­vertretender Parteivorsitzender.

Olaf Scholz‘ Weg in die Bundesregierung

Abgesehen von einer kurzen Phase zwischen 2001 und 2002 ist Olaf Scholz seit 1998 Mitglied des Deutschen Bundestags. Im Herbst 2007 wurde er Bundes­minister für Arbeit und Soziales und führte dieses Amt zwei Jahre lang aus. Eben dieser Posten wurde vier Jahre später mit Andrea Nahles besetzt.

Zwischen März 2011 und März 2018 war Olaf Scholz Erster Bürgermeister Hamburgs. Als er im März 2018 zum Bundes­minister der Finanzen ernannt wurde, legte er das Amt des Bürgermeisters nieder. Außerdem ist Olaf Scholz der amtierende Vizekanzler.


3. Kevin Kühnert

Kevin Kühnert ist seit 2017 der Bundes­vorsitzende der Jugend­organisation der SPD, der Jung­sozialisten. Er kündigte an, Ende 2019 für einen Sitz im Partei­vorstand der SPD zu kandidieren. Kühnert gilt trotz seiner erst 29 Jahre bereits als eines der einfluss­reichsten Mitglieder der SPD20 und wurde vom „Time Magazine“ zu einem „Next Generation Leader“ gekürt.

Kevin Kühnert - Spitzenkandidat der SPD - Bundestagswahl 2021

Juso-Chef Kevin Kühnert wird oft als Hoffnungs­träger der Sozial­demokratie gesehen

Foto: Rosa Luxemburg-Stiftung. Quelle: Flickr. Lizenz: CC BY 2.0

Bekannt wurde Kühnert durch seine „#NoGroKo“-Initiative, die sich nach der Bundestags­wahl 2017 gegen eine erneute Große Koalition zwischen SPD, CDU und CSU positionierte. Wesentliche Kritik­punkte an der Großen Koalition waren das Fehlen eines Fortschritt­willens und die Zusammen­arbeit mit der CSU, der Kühnert Rassismus vorwirft.21

Kevin Kühnert, der dem linken Partei­flügel der SPD zuzuordnen ist,22 tritt unter anderem für einen Mindest­lohn in Höhe von 12 € pro Stunde und eine Vermögens­steuer ein. Er sieht die Sozial­demokratie in ganz Europa auf einem neo­liberalen Irrweg und wünscht sich für die SPD einen neuen sozial­demokra­tischen Aufbruch, basierend auf essenziellen Werten der Sozial­demokratie: Sozial­staat, Gerechtigkeit und Umverteilung.

Weitere Spitzenkandidaten

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  1. Spiegel Online, Vereidigung im Bundestag: Merkel schwört mit Gottesformel, 22.11.2005
  2. Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Art. 69: „Das Amt des Bundes­kanzlers oder eines Bundes­ministers endigt in jedem Falle mit dem Zusamme­ntritt eines neuen Bundestages“.
  3. Quelle: Zeit Online, CDU: Sehnsucht nach neuen Gesichtern, 14.02.2018
  4. Quelle: Süddeutsche Zeitung, Wie Merkel Kramp-Karrenbauer zur Kanzlerin machen könnte, 09.12.2018
  5. Quelle: Der Tagesspiegel, Übergibt Merkel im März das Amt der Kanzlerin?, 03.01.2019
  6. Quelle: Website der deutschen Bundesregierung, Jens Spahn.
  7. Quelle: Neue Zürcher Zeitung, Merkel und ihr Schattenmann, 20.08.2018
  8. Quelle: Focus Magazin, Die Option Spahn, 24.02.2018
  9. Quelle: Handelsblatt, So bringt sich Jens Spahn fürs Kanzleramt in Stellung, 03.09.2018
  10. Quelle: Süddeutsche Zeitung, CDU-Gesundheits­experte bestreitet Interessenkonflikt, 30.11.2012
  11. Quelle: NTV – Wer würde Merkels Nachfolger werden?, 26.05.2018
  12. Quelle: NTV – Person der Woche: Julia Klöckner Die Katholiken kommen, 27.2.2018
  13. Quelle: TAZ – Groko streitet über Glyphosat, 16.04.18
  14. Quelle: Spiegel Online, SPD will nächsten Kanzler­kandidaten früh bestimmen, 11.06.2018
  15. Quelle: Berliner Zeitung, SPD-Parteichefin Andrea Nahles kämpft für große Koalition, 24.02.2018
  16. Quelle: Süddeutsche Zeitung, Normenkontrollklage gegen Parteien­finanzierung, Opposition zieht vor Gericht, 05.07.2018
  17. Quelle: Zeit Online, Opposition klagt gegen Erhöhung der Parteien­finanzierung, 04.07.2018
  18. Siehe: Süddeutsche Zeitung, Olaf Scholz: Deutschlands beliebtester Politiker – und keiner hat’s gemerkt, 01.08.2018
  19. Siehe: Huffington Post, Stirb langsam: Drei Entwicklungen zeigen das schleichende Ende der SPD, 07.05.2018
  20. Spiegel Online, Juso-Chef Kühnert: Der Krisengewinner, 30.11.2018
  21. TAZ, Kevin Kühnert bei Jan Böhmermann: „Rassistischer Bullshit der CSU“, 01.02.2018
  22. Deutschlandfunk, Juso-Chef Kevin Kühnert: Wann kommt der nächste Karrieresprung?, 06.12.2018

One Comment

  1. Es ist eher unwahrscheinlich, dass die AfD auf derzeitigen Level bleiben wird – die heutigen Wahlumfragen sind bis zur Wahl 2021 nicht mehr relevant und erst recht nicht vorhersehbar, die Werte werden sich bis dahin drastisch zu Gunsten der AfD verschieben.

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