Bundestagswahl 2021: mögliche Spitzenkandidaten der Parteien

Angela Merkel voraussichtlich nicht erneut Spitzenkandidatin

Angela Merkel ist seit 2005 Bundes­kanzlerin. Im Jahr 2021 wird sie voraus­sichtlich 16 Jahre Bundes­kanzlerin gewesen sein. Somit wird sie so lange im Amt gewesen sein wie der bisherige „Rekord­kanzler“ Helmut Kohl, Bundes­kanzler von 1982 bis 1998 (eben­falls 16 Jahre).

Auch wenn Angela Merkel laut Gesetz wieder antreten dürfte, gilt es als un­wahr­scheinlich, dass sie bei der Bundestags­wahl 2021 erneut Spitzen­kandidatin der Union wird.1, 2

Merkels Alter spricht gegen eine erneute Spitzen­kandidatur: Zum Zeit­punkt der nächsten Bundestags­wahl ist sie 67 Jahre alt und hat damit die Regel­alters­grenze (das reguläre Renten­eintritts­alter für ihren Geburts­jahrgang) bereits seit anderthalb Jahren überschritten.

Merkels mögliche Nachfolger

Mehr als zehn CDU-Politiker gelten als potenzielle Kandidaten für die Nachfolge von Angela Merkel.3 Hier stellen wir drei mögliche NachfolgerInnen vor, die als Favoriten gelten:

1. Annegret Kramp-Karrenbauer

Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK), 55, war von 2012 bis 2018 Minister­präsidentin des Saarlandes. Im Februar 2018 wurde sie von Angela Merkel als neue General­sekretärin der CDU vorgestellt. Sie wird Nach­folgerin von Peter Tauber und gibt dafür ihr Amt im Saarland auf.

Bundestagswahl 2021 - Annegret Kramp-Karrenbauer, mögliche Spitzenkandidatin der Union und Nachfolgerin von Angela Merkel

Annegret Kramp-Karrenbauer gilt als designierte Nachfolgerin von Angela Merkel

Foto: Sandro Halank. Quelle: Wikimedia. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Kramp-Karrenbauer gehört zu den engsten Vertrauten Merkels in der CDU-Führungs­riege.4 Unter den möglichen Nachfolgern von Angela Merkel gilt sie als klare Favoritin und wird in manchen Medien bereits „Kron­prinzessin“ oder „General­erbin“ genannt.5, 6

2. Julia Klöckner

Seit Anfang 2018 ist Julia Klöckner (46) Teil des Kabinetts Merkel IV und bekleidet das Amt der Bundes­ministerin für Ernährung und Land­wirtschaft. Zudem ist sie seit 2012 eine von Angela Merkels Stell­vertreter(inne)n im CDU-Bundes­vorstand und seit 2002 Abgeordnete im Deutschen Bundestag.

Julia Klöckner war in ihrem Heimatland Rheinland-Pfalz Spitzen­kandidatin der CDU und unterlag mit ihrer Partei bei den Landtags­wahlen 2011 und 2016 zweimal der SPD. Ihre Mandate auf Bundesebene verbindet Klöckner mit politischen Ämtern auf Landes­ebene: Seit 2010 ist sie Vorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz.

Bundestagswahl 2021 - Julia Klöckner (Mögliche Kandidatin der CDU)

Julia Klöckner setzt sich gegen den Flügel-Kampf in der CDU ein. Sie ist eine der möglichen Nachfolger Merkels

Foto: Olaf Kosinsky/Skillshare.eu. Lizenz: CC BY-SA-3.0-DE

Julia Klöckner wird als eine mögliche Nachfolgerin für Kanzlerin Angela Merkel gesehen.7 Dabei hebt sie sich besonders durch ein halb­distanziertes Verhältnis zu Angela Merkel von der als Merkel-nah geltenden Annegret Kramp-Karrenbauer und dem Merkel-Kritiker Jens Spahn ab.

Klöckner ist Mitglied im Zentralrat der Katholiken und setzt sich für ein Verbot der Voll­verschleierung von muslimischen Frauen in Deutschland ein.8 Als Bundes­landwirtschafts­ministerin plant sie eine Erhöhung der Forschungs­förderung von Bio-Landwirtschaft, äußert sich aber zögerlich zu einem Verbot von Glyphosat.9

3. Jens Spahn

Der gelernte Bankkaufmann Jens Spahn (37) war 2002 jüngstes Mitglied im Deutschen Bundestag. Von 2009 bis 2015 war er gesundheits­politischer Sprecher der Union, 2013 bis 2018 Parlamentarischer Staats­sekretär für Finanzen.

Spahn ist seit 2018 Bundes­minister für Gesundheit im Kabinett Merkel IV.10 Er gilt als kompetent, ehrgeizig und weiß sich zu positionieren, was ihn für höchste Aufgaben qualifizieren dürfte. Die Neue Zürcher Zeitung sieht in Spahn sogar ein „Kanzler-Gen“.11

Jens Spahn als potentieller Nachfolger Merkels nach der nächsten Bundestagswahl

Der Gesundheitsminister Jens Spahn wird immer wieder als möglicher Merkel-Nachfolger genannt

Foto: Stephan Baumann. Quelle: Wikimedia. Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Vielen gilt der wirtschafts­liberale Politiker als Nachwuchs­hoffnung für einen bevor­stehenden Generations­wechsel in der Union, der vor allem dem konservativen Flügel dienen dürfte. Als Jungpolitiker trauen ihm viele dieses Amt noch nicht zu. Ein Blick zu Merkels Amtskollegen Sebastian Kurz nach Österreich zeigt, dass eine Steilkarriere frischen Wind in einen Bundestag bringen kann.

Während Spahn unter Neokonservativen als „Hipster der neuen Rechten“ gilt
12, werfen seine jüngsten Handlungen im politisch stark umkämpften Amt des Gesundheits­ministers unter liberalen Markt­wirtschaftlern Fragen auf.

Der designierte Gesundheitsminister kündigte Beitrags­erhöhungen der Pflege­versicherung und Untergrenzen für Pflege­personal in Kranken­häusern an. Auch wolle er „zweistellige Rendite“ im Gesundheits­sektor unterbinden – wobei er verschweigt, wo diese dort zu finden seien. Somit zeigt er sich bürgernah und problem­bewusst, Kritiker werfen ihm Populismus vor.13

Bisher navigierte sich Spahn erfolgreich durch den Lobbydschungel im Gesundheits­wesen. In seiner Vergangenheit als CDU-Gesundheits­experte warf man ihm selbst Lobbyismus vor: bis 2010 hielt Spahn Anteile an der Pharma-Lobby­agentur Politas, womit er Negativ­schlagzeilen machte, die sein Ansehen jedoch nicht nachhaltig beschädigten14

Die möglichen Spitzenkandidaten der SPD: Wer führt die Partei aus der Krise?

Bei den letzten Bundestagswahlen wurde der Spitzen­kandidat der SPD stets erst einige Monate vor der Wahl bekannt­gegeben. Doch dieses Verfahren hatte auch zur Folge, dass der Kandidat nur einen kurzen Wahlkampf führen konnte.

Deswegen hat die SPD-Führung beschlossen, den Kandidaten oder die Kandidatin für die Bundestags­wahl 2021 deutlich früher bekannt­zugeben.15 Derzeit haben Andrea Nahles und Olaf Scholz Aussichten auf die Spitzenkandidatur.

Andrea Nahles: von der Parteivorsitzenden zur Spitzenkandidatin?

Für die Bundestagswahl 2021 gilt Andrea Nahles, derzeit Partei­vorsitzende und Fraktionschefin, als mögliche Spitzen­kandidatin der SPD. Sie wäre damit bei den Sozial­demokraten die erste Frau auf diesem Posten.

Andrea Nahles wurde im Juni 1970 in Rheinland-Pfalz geboren. Sie stammt aus einer katholisch geprägten Familie der Mittelschicht und ist auch heute noch bekennende Katholikin. An der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn studierte sie Germanistik und Literaturwissenschaften.

Andrea Nahles‘ steiler Aufstieg in die Parteiführung

Bereits als 18-Jährige trat Andrea Nahles in die SPD ein und war zwischen 1995 und 1999 Bundesvorsitzende der Jungsozialisten. Von 1998 bis 2002 war Nahles erstmals Bundestagsabgeordnete der SPD. Seit 2005 ist sie durchgehend Mitglied im Bundestag. 2007 wurde Nahles zur stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt.

Andrea Nahles – Wird sie Bundeskanzlerin?

Andrea Nahles war von 2009 bis 2013 Generalsekretärin der SPD

Foto: Heinrich-Böll-Stiftung, 2011. Quelle: Flickr. Lizenz: CC BY-SA 2.0

In der Legislaturperiode 2013–2017 war sie Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Ihre Wahl zur Fraktionschefin der SPD im Bundestag im September 2017 erfolgte mit einer Zustimmung von 90 Prozent. Im Gegensatz dazu erhielt sie bei ihrer Wahl zur Parteivorsitzenden im April 2018 nur knapp zwei Drittel der Stimmen.


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  1. Quelle: Die Welt, Letzte Amtszeit der Kanzlerin: Die Zeit nach Angela Merkel ist angebrochen, 10.02.2018
  2. Quelle: Süddeutsche Zeitung, Für Merkel beginnt nun das Endspiel, 25.09.2017
  3. Quelle: Zeit Online, CDU: Sehnsucht nach neuen Gesichtern, 14.02.2018
  4. Quelle: Süddeutsche Zeitung, Merkel holt Kramp-Karrenbauer als General­sekretärin nach Berlin, 19.02.2018
  5. Quelle: Die Welt, Spiegel Online, Annegret Kramp-Karrenbauer: Merkels General­erbin, 19.02.2018
  6. Quelle: Frankfurter Rundschau, Merkel-Nachfolge: Kramp-Karrenbauer ist die Zukunft der CDU, 20.02.2018
  7. Quelle: NTV – Wer würde Merkels Nachfolger werden?, 26.05.2018
  8. Quelle: NTV – Person der Woche: Julia Klöckner Die Katholiken kommen, 27.2.2018
  9. Quelle: TAZ – Groko streitet über Glyphosat, 16.04.18
  10. Quelle: Website der deutschen Bundesregierung, Jens Spahn.
  11. Quelle: Neue Zürcher Zeitung, Merkel und ihr Schattenmann, 20.08.2018
  12. Quelle: Focus Magazin, Die Option Spahn, 24.02.2018
  13. Quelle: Handelsblatt, So bringt sich Jens Spahn fürs Kanzleramt in Stellung, 03.09.2018
  14. Quelle: Süddeutsche Zeitung, CDU-Gesundheits­experte bestreitet Interessenkonflikt, 30.11.2012
  15. Quelle: Spiegel Online, SPD will nächsten Kanzler­kandidaten früh bestimmen, 11.06.2018
  16. Quelle: Süddeutsche Zeitung, Normenkontrollklage gegen Parteienfinanzierung, Opposition zieht vor Gericht, 05.07.2018
  17. Quelle: Zeit Online, Opposition klagt gegen Erhöhung der Parteienfinanzierung, 04.07.2018

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